Jede Klinikleitung weiß, dass Personal knapp ist. Sie weiß auch, dass es sich dabei nicht um ein zyklisches Problem handelt. Die Nachfrage und das Aufkommen chronischer Erkrankungen steigen mit einer alternden Bevölkerung, während das Angebot an Fachkräften durch Pensionierungen und Burnout schrumpft.
Allein in den USA werden bis 2033 zwischen 54.100 und 139.000 fehlende Ärzte prognostiziert. In Deutschland fehlten nach Angaben des Deutschen Pflegerats bereits 2024 rund 17.600 examinierte Fachkräfte in der Gesundheits- und Krankenpflege. Das Bild ist global ähnlich düster, wobei die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen weltweiten Fehlbedarf von 11 Millionen Beschäftigten im Gesundheitswesen bis 2030 prognostiziert.
Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Bei unterstützenden Funktionen gibt es ein weitaus höheres Defizit, das selten in Personalübersichten auftaucht. In den Bereichen Reinigung, Abfallentsorgung, Transport, Verpflegung und Aufnahme wird die Personaldecke rasch dünner und die nachgelagerten Auswirkungen treffen Klinikmitarbeitende unmittelbar. Verliert man ein Drittel des Transportteams, verlieren Pflegekräfte nicht nur Unterstützung – sie müssen sie selbst leisten.
Dieser Effekt neigt dazu, sich zu potenzieren: Ein fehlender Transportmitarbeiter verlängert die Schicht einer Pflegekraft um zwanzig Minuten; ein unterbesetztes Reinigungsteam kostet weitere fünfzehn Minuten für den Zimmerwechsel. Insgesamt können diese Aufgaben zwei bis drei Stunden pro Schicht beanspruchen. Was wie Ineffizienz aussieht, ist schlicht die neue Normalität aus Aufgabenstapelung und Rückstand.
Und da kein System Personal aus dem Nichts herbeizaubern kann, ist die nächste Frage entscheidend: Wo verlieren wir im Klinikalltag Zeit durch Aufgaben, die wir sofort streichen könnten? Der größte Zeitfresser liegt in einem Bereich, den Führungskräfte selten messen: dem unsichtbaren Mehraufwand durch Kommunikation.
Kommunikationsreibung: Das Problem des "Menschlichen Routers"
Wenn Abteilungen knapp besetzt sind, verteilt Kommunikation die Rollen neu. Kliniker werden zu menschlichen Routern: Sie leiten Updates weiter, suchen nach Personen und stellen Informationen zusammen, die Systeme eigentlich selbst bereitstellen sollten.
Aber eine Pflegekraft sollte nicht diejenige sein, die weiß, dass Dr. Chen in Zimmer 412 und nur per Mobiltelefon erreichbar ist. Das ist die Art von kognitiver Belastung, die im Laufe der Zeit immer erdrückender wird, besonders wenn sich Warnmeldungen überlappen und um Aufmerksamkeit wetteifern. Die mentale Anstrengung, diesen Lärm zu filtern und Alarm-Müdigkeit zu bekämpfen, während gleichzeitig echte Patientenversorgung geleistet wird, ist mittlerweile ein ernstes klinisches Problem.
In gewisser Weise ähnelt das Ergebnis einem Hydrauliksystem mit einem langsamen Leck. Eine Einheit, die früher vier Aufnahmen pro Stunde verarbeitete, schafft jetzt nur noch zwei, weil jede Aufnahme doppelt so viel Koordinationsaufwand erfordert. Das Personal muss mehr Energie aufwenden, nur um die frühere Leistung aufrechtzuerhalten.
Die Behebung dieser Lecks ist der wirksamste Hebel, den Führungskräfte zur Stabilisierung des Betriebs besitzen. Seine Nutzung ist nicht an Rekrutierungszyklen und Neueinstellungen gebunden. Der Erfolg stellt sich ein, sobald die Kommunikation einfacher wird.
Warum alte Kommunikationsregeln nicht mehr funktionieren
Traditionelle Kommunikationsmodelle setzen eine stabile Personalbesetzung voraus. Sie versagen, wenn die Belegschaft um ein Fünftel schrumpft und das Stationszimmer zeitweise leer sind oder von zwei Personen geführt werden, die ein Dutzend Prioritäten gleichzeitig managen. Das vertraute Zentrum der Koordination ist weniger ein Knotenpunkt als vielmehr ein überlasteter Engpass.
Dezentrale Versorgung erhöht die Komplexität zusätzlich. Remote-Monitoring virtuelle Versorgung und hybride Konsultationsteams bedeuten, dass die richtige Person oft nicht in der Nähe der Abteilung ist. "Die Station” anzurufen funktioniert nur, wenn sich dort auch das benötigte Personal befindet.
Datenprobleme verstärken das Dilemma. Veraltete Bereitschaftslisten, nicht verbundene Transportsysteme und veraltete Telefonverzeichnisse kosten bei jeder Eskalation extra Minuten – zusätzlich zur Frustration. Zwanzig Minuten für eine dringende Konsultation mögen wie eine Anomalie erscheinen, bis man erkennt, dass die Infrastruktur der Grund für die Verzögerung ist.
Der neue Standard ist ein Kommunikationsansatz, der automatisiert, wer was, wann und wo erhalten soll, damit sich das Personal auf den eigentlichen Grund hinter der Nachricht konzentrieren kann.
Was Kommunikationshürden für Beteiligte bedeutet
Die Klinikleitung spürt die täglichen Auswirkungen zuerst: Kommunikationshürden untergraben die Mitarbeiterbindung. Personal verlässt die Einrichtung selten, weil es die Tätigkeit zu schwierig findet; es geht, wenn die administrative Belastung schwierige Arbeit als nicht zu bewältigen erscheinen lässt.
Für Finanzvorstände (CFOs) häufen sich die Zahlen schnell. Zwei Stunden Koordinationsverlust pro Pflegekraft pro Schicht ergeben 730 Stunden im Jahr. Das entspricht 0,35 Vollzeitäquivalent (VZÄ), das für Verwaltungsaufwand statt Patientenversorgung gebunden ist. In einem Krankenhaus mit 400 Betten kann der Koordinationsaufwand dem Verlust von Dutzenden von Vollzeitklinikern durch Papierkram und Telefonketten gleichkommen – ohne eine einzige offene Stelle in den Personalakten.
IT-Verantwortliche (CIOs) stehen vor einer anderen Herausforderung: Tool-Wildwuchs. Jede neue App bedeutet einen weiteren Login, eine weitere Schulung und eine weitere potentielle Fehlerquelle in Spitzenlastzeiten.
Best Practices zur Reduzierung der Belastung bei Personalmangel
Unsere Projekte mit Kliniken haben weisen ein wiederkehrendes Muster auf: Manuelle Konsultationen erzeugen lange, vermeidbare Umwege. Eine mündliche Anfrage führt zu einer veralteten Bereitschaftsliste, einem Anruf der falschen Person, einem Rückruf, einem weiteren Anruf, einem zweiten Rückruf für Kontext und einer Akteneinsicht, bevor irgendetwas vorangeht. In der Praxis berichten uns Teams, dass diese Abfolge oft etwa 22 Minuten und sechs Unterbrechungen kostet.
Wenn die Weiterleitung auf das System verlagert wird, verkürzt sich diese Kette. Eine Anfrage löst den Workflow aus, die Plattform wählt die richtige Person anhand des aktuellen Zeitplans und der Fachrichtung aus, und die Nachricht enthält den für eine Reaktion notwendigen Kontext. Das Ergebnis liegt eher bei vier Minuten – also rund 18 Minuten weniger – und einem einzigen Kontaktpunkt.
Dieser Kontrast zeigt, was ein starkes Kommunikationsdesign der Organisation zurückgeben kann. Die folgenden Schritte bringen nicht mehr Personal, geben aber jede Woche Stunden pro Mitarbeitenden zurück – Zeit, die derzeit im Koordinations-Theater verloren geht.
- Zugänge vereinheitlichen. Fünf Apps für fünf Aufgaben nötigen das Klinikpersonal zu einem ständigen Wechsel zwischen den Programmen. Eine konsolidierte Kommunikationsumgebung reduziert sowohl Reibung als auch Fehler.
- Weiterleitung auf das System verlagern. Rollenbasierte, intelligente Weiterleitung entscheidet, wohin eine Benachrichtigung gesendet wird – basierend auf Fachgebiet, Nähe und aktueller Auslastung. Stationsleitungen sollten nicht als Disponenten fungieren.
- Direkte Kanäle für nicht-klinischen Bedarf schaffen. Transport-, Reinigungs-, Entsorgungs-, Verpflegungs- und Aufnahmeanfragen sollten nicht über die Station laufen. Eine Entlassung sollte keine Telefonkette erfordern.
- Kommunikation kontextuell gestalten. Meldungen, die Vitalwerte, aktuelle Einträge oder den Konsultationsgrund enthalten, eliminieren das Hin-und-Her, das sonst nötig ist, um sich ein vollständiges Bild des Patienten zu verschaffen.
Praktische Schritte für die nächsten 90 Tage
Der schnellste Weg zu verstehen, wo die Koordination zusammenbricht, ist durch die Augen Ihrer Frontline-Mitarbeiter. Nutzen Sie diese Checkliste, um Ihre Koordinationsaufwendungen zu identifizieren und zu beziffern.
Phase 1: Das Kommunikationshürden-Audit (Tage 1–30)
- Die "menschlichen Router" begleiten: Verbringen Sie eine vollständige Schicht mit einer Pflegefachkraft, einem Transportmitarbeiter und einer EVS-Leitung. Ziel: Zählen Sie mit, wie oft diese ihre Tätigkeit unterbrechen, um als Informationsvermittler zu agieren (z. B. eine Pflegekraft, die sich telefonisch erkundigt, ob ein Zimmer gereinigt ist).
- Den Entlassungsweg kartieren: Verfolgen Sie einen einzelnen Patienten vom „Entlassung angeordnet" bis „Bett bereit". Ziel: Dokumentieren Sie jeden Anruf, jeden Piepton und jedes erforderliche Login. Wenn mehr als drei Schritte nötig sind, um den Patienten weiter zu verlegen, liegt ein Planungsfehler vor.
- Fehlalarm identifizieren: Fragen Sie das Personal, welche drei Benachrichtigungen es zu ignorieren gelernt hat. Ziel: Ermitteln Sie, wo Ihr aktuelles System das Personal dazu bringt, Benachrichtigungen generell zu ignorieren.
Phase 2: Daten- und Infrastruktur-Hygiene (Tage 31–60)
- Der Verzeichnis-Stresstest: Wählen Sie fünf zufällige Namen aus Ihrer Bereitschaftsliste oder Ihrem Telefonverzeichnis und versuchen Sie, diese zu erreichen. Ziel: Messen Sie die „Minuten bis zur Verbindung". Sind die Daten veraltet, wird Ihre Automatisierung scheitern.
- Zugänge konsolidieren: Prüfen Sie, wie viele Apps ein Kliniker öffnen muss, um einen einzelnen Patientenzyklus abzuschließen. Ziel: Ermitteln Sie die „Anwendungswechsel"-Erschöpfung. Streben Sie eine einzige, einheitliche Kommunikationsumgebung an.
Phase 3: Quantifizieren & Anpassen (Tage 61–90)
- Den Koordinationsaufwand berechnen: Nutzen Sie Ihre Auditdaten, um die pro Schicht verlorenen Stunden zu berechnen. Formel: {Durchschnittliche Koordinationsminuten pro Schicht} × {Gesamtanzahl der Schichten} = {Verlorene Vollzeitkapazität}.
- Die Kennzahl festlegen: Verwenden Sie diese verlorene Kapazitätszahl als Maßstab für alle zukünftigen Technologieinvestitionen. Ziel: Jedes neue Tool muss nachweisen, dass es diese Zahl reduziert – und nicht nur eine neue Funktion hinzufügt.
Fazit
Personalmangel mag strukturell sein, aber Kommunikationsbelastung spiegelt Infrastrukturentscheidungen wider, die oft vor Jahren getroffen wurden, und ist etwas, das Führungskräfte neugestalten können. Jede Minute, die damit verbracht wird, einen Arzt, einen Transportmitarbeiter oder eine Reinigungskraft zu finden, nimmt eine Minute am Patientenbett weg. Führungskräfte, die diesen Zeitverlust reduzieren, schützen sowohl das Personal, als auch bauen sie Systeme auf, die unter Druck zuverlässig funktionieren.
Die Krankenhäuser, die heute Personal halten, werden nicht zwangsläufig die mit den höchsten Gehältern oder den modernsten Einrichtungen sein. Es werden die sein, bei denen das System die Koordination übernimmt, damit sich die Menschen auf die Versorgung konzentrieren können.
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